Woche 19 / 2024

07.05.2024

Eine Österreichwoche. Von Griass di (Griass eich) zu Grüass di! oder: vom Tirol ins Vorarlberg.

Vier Stunden und 39 Minuten. So lange dauert die Reise mit dem Zug von zu Hause nach Wörgl (Bezirk Kufstein) im Inntal in Tirol. Diese Bahnstation ist am Dienstagabend das Ziel unserer Anreise. Auf dem Bahnsteig erwarten uns Bischof Jeram und seine Gattin, um uns willkommen zu heissen und abzuholen.

Am 1. Mai um 06.30 Uhr ist Abfahrtszeit. Über den Fernpass an der Zugspitze vorbei, dem höchsten Berg Deutschlands, geht die Reise nach Reutte im Tiroler Ausserfern. Der Bezirksvorsteher fährt uns. Da der Alpenübergang staugefährdet ist, sind wir früh aufgebrochen. Der Gottesdienstbeginn ist auf 10 Uhr angesetzt. Obwohl wir bereits um 09.15 Uhr eintreffen, sind schon einige Geschwister da. So gibt es noch vor dem Gottesdienst einen schönen Austausch. Auch aus der 20 Kilometer entfernten süddeutschen Gemeinde Füssen sind Geschwister angereist. Die Geschwister schätzen es sehr, dass der Bezirksapostel diese fernab liegende Gemeinde im Bezirk Tirol besucht. Die Geschwister sind zu Recht stolz darauf, einen Chor zu haben. Fünf singfreudige Sängerinnen und Sänger singen, begleitet von der Orgel, in unsere Herzen. Wir dürfen keinesfalls mit leerem Magen die Rückreise antreten. Versorgt mit Speis und Trank tauschen wir uns aus, bis ein Blick auf die Uhr mahnt, dass ja auch am Nachmittag ein Gottesdienst stattfindet.

Erstaunlich, wie wenig Verkehr es trotz des Feiertages hat. Den zweiten Gottesdienst erleben wir in Telfs, in Innsbruck-Land. Eine kleine, lebendige Gemeinde mit vielen musikalischen Gaben erwartet uns um 16 Uhr zur Begegnung mit Gott. Wie schon in Reutte ist die Atmosphäre schön und herzlich. In abwechselnder Zusammensetzung – Klavier, Gesang und Instrumental – wird Gott Lob, Ehre und Dank dargebracht. Die beiden Jungs (10- und 13-jährig) sind wahre Musiker und singen u.a. Solo und spielen Trompete. Eine weitere Ausdrucksform sind die Blumengestecke zum Lob des allmächtigen Schöpfers. Mit selbstgemachten Köstlichkeiten werden wir von den Geschwistern verwöhnt. Wir gönnen uns die Jause und können so auch mit den Geschwistern ins Gespräch kommen.

Nach einem langen Tag mit vielen beglückenden Eindrücken ist etwas früher als gewöhnlich Feierabend.

Kirchbichl und Jenbach, so steht es auf dem Programm. Wie in Österreich üblich ist der Gottesdienst auf 19.30 Uhr angesetzt. Das Wetter hat sich anders als angekündigt entwickelt und so scheint die Abendsonne wunderschön in die Sakristei (Ämterzimmer). Bald schon wird geistig gesehen die Gnadensonne Jesu scheinen.  Auch Apostel Pfützner ist jetzt zugegen. Die Geschwister der beiden Gemeinden vereinen sich zu einer Gemeinde, es herrscht eine liebliche Atmosphäre. Auch eine kleine Sängerin singt mit grossem Eifer und Einsatz im Chor mit. Das Schlusslied des Chors wird kurzerhand zum Gemeindelied: Der Herr ist mein Licht! – wer kennt es nicht und kann es nicht? Natürlich: alle können es und singen herzhaft mit.

«Pfiat eich»! (auf Wiedersehen) Die Einladung der Geschwister gilt. Schliesslich ist das Tirol eine bekannte Feriendestination.

Um uns den Abschied etwas zu erleichtern, begleiten uns am Freitag Regenschauer auf der Fahrt nach Hause.

Wie anfangs erwähnt, ist die Österreichwoche noch nicht vollständig. Am Sonntag bin ich mit den Konfirmanden und den Geschwistern aus dem Kirchenbezirk Vorarlberg in unserer Kirche in Dornbirn. Es ist ein weiterer Festsonntag angebrochen: Zwei Konfirmandinnen und zwei Konfirmanden werden vor Gott ihr Gelübde ablegen und damit eine Herzensentscheidung bekräftigen. Möge es so sein, wie Stammapostel Streckeisen es einst geprägt hat: «Ich habe mich für den Herrn entschieden und dabei bleibt es»!  

Es ist ein Freudentag. Alle tragen zum Fest bei: Mit viel Herzblut und Einsatz wurde vieles vorbereitet. Nun dürfen wir davon geniessen. Der Altar ist festlich geschmückt und die Gemeinde ist voller Erwartung auf die Begegnung mit Gott. Die musikalischen Darbietungen von Chor und Instrumenten erklingen zur Ehre Gottes.

Erneut darf ich mit grosser Dankbarkeit und Freude feststellen, dass die Konfirmanden sehr gut auf diesen Tag vorbereitet wurden und sie eine Vorstellung der Wichtigkeit und Tragweite von dem haben, was an der Konfirmation geschieht und wem sie Treue geloben. Ich bewundere die jungen Glaubenspersönlichkeiten.

Dem Bezirk wird in Priester Thomas Mayer (Vorsteher von Dornbirn) in der Ernennung ein Vertreter und besonderer Unterstützer für den Bezirksvorsteher geschenkt.

Der Bezirk Vorarlberg hält am Ende des Gottesdienstes Überraschungen für mich bereit. Inzwischen hat sich wohl herumgesprochen, dass überall wo ich einkehre, dies das letzte Mal als aktiver Bezirksapostel ist. Überreich beschenkt bin ich einfach sprachlos und sehr berührt. Damit habe ich nie gerechnet und es keinesfalls erwartet. DANKE! 

Unser Glaubensbruder Ivan Karpati hat eigens für mich Variationen über das Lied «Lobe den Herrn meine Seele» komponiert und spielt diese am Klavier.

Wenn vor dem Gottesdienst Regenwolken am Himmel waren, so scheint jetzt die Sonne durch die sich lockernden Wolken. Mit viel Liebe wurden Speise und Trank bereitgestellt und nun lädt das Ganze zum Verweilen und Gedankenaustausch ein.