Mein «Verwaltungstag» fällt normalerweise immer auf einen Dienstag. Das hat sich in den letzten Jahren sehr bewährt. An diesem Tag finden geplante und auch spontane Besprechungen innerhalb der Administration statt. Es ist auch die schöne Möglichkeit, mit den Mitarbeitenden Kontakt zu pflegen und in ihre Arbeit Einblick zu nehmen. Der letzte Dienstag war zusätzlich noch etwas ausserhalb der Normalität, wie das Foto belegt. Genau an diesem Tag durfte ich meinen Geburtstag feiern. Im Jahr 1977 wurde der Ohrwurm «Mit 66 Jahren» vom österreichischen Sänger Udo Jürgens erstmals gesungen. Dieses Mal ertönte das Lied an der Überlandstrasse 243.
Wie kommt man auf die andere Seeseite? Den Gottesdienst an diesem Donnerstagabend hielt ich in der Gemeinde Wädenswil, praktisch gegenüber meinem Wohnort auf der anderen Seite des Zürichsees. Der schnellste Weg ist die Fähre von Meilen nach Horgen, die ich dann auch genommen habe. Eine herzliche, aufnahmebereite Gemeinde erwartete mich. Der Chor, begleitet vom Piano, hat uns den Zugang zum Wort in schöner Weise erschlossen. Wie schön ist es, wenn das Apostelamt im Auftrag Gottes der Gemeinde ein Geschenk machen darf – dieses Mal in der Ordination einer Diakonin. Es bewegt mich immer neu, wenn ich bei der Verabschiedung die grosse Freude und Dankbarkeit der Geschwister erlebe, die diese Gabe bereits im Herzen aufgenommen haben.
Erwartungsfroh haben wir uns an diesem Freitagmorgen am Flughafen in Zürich getroffen, um die Reise nach Moldawien anzutreten. Der Bezirksapostelhelfer begleitete mich das erste Mal zu unseren Glaubensgeschwistern in diesem Land. Mit uns reisten weitere Geschwister, die ihre Flüge und den Aufenthalt im Land aus der eigenen Tasche bezahlt haben. Über Istanbul, der Stadt am Bosporus, ging es nach Chişinău, wo uns Apostel Cone und Bischof Gavriliuc erwarteten.
Bedingt durch die Zeitverschiebung hiess es am Samstagmorgen früher aus den Federn kriechen. Der erste Gottesdienstort war Sângerei im nördlichen Teil der Republik Moldau, zwei Stunden von Chişinău entfernt. Bis auf den letzten Platz war unsere Kirche gefüllt. Die Sehnsucht nach dem Wort Gottes in den Herzen der Geschwister war gut spürbar. Auch in dieser Gemeinde war die Freude gross, dass zwei Diakone ordiniert werden konnten. Ihre «Dienstkleidung» werden sie in nächster Zeit erhalten. Die finanzielle Situation erlaubt es ihnen nicht, diese privat zu erstehen. Mit uns hatten sich auch einige Flüchtlinge versammelt, die den Gottesdienst in der zweiten Übersetzung auf Russisch erlebten. Die Herzenswärme bei der Verabschiedung kann ich gar nicht beschreiben. Es war, wie jetzt oft, mein letzter Besuch bei diesen Geschwistern.
Weiter ging die Fahrt in südlicher Richtung in die Gemeinde Stețcani, einer Ortschaft nicht weit von Orhei, wo wir zu Mittag gegessen hatten. Zwei Drittel der Gemeinde, die sich in der Wohnstube des Diakons und seiner Familie versammelt hatten, sind Kinder, was sich natürlich auch auf die Art der Wortverkündigung auswirkte. Die Fotos geben Einblick, mit welcher Intensität und Aufmerksamkeit die Kinder das Wort Gottes aufsaugen. Auch hier konnte ich meinen Nachfolger vorstellen und in die Herzen der Geschwister einbauen.
Moldawien ist für seine grosse Gastfreundschaft bekannt, von welcher wir uns nach dem Gottesdienst überzeugen können. Schaut mal, wie überreich der Tisch mit Speis und Trank gedeckt ist. Es beschämt uns, wenn wir auf der anderen Seite wissen, wie der normale Alltag für die Menschen in diesem Land ist.
Die Anfahrt am Sonntagmorgen war kurz, in einigen Minuten hatten wir unsere Kirche in Chişinău erreicht. Ein leichter Frühlingshauch lag in der Luft, wo noch vor wenigen Tagen eisige Temperaturen mit gegen 15 Grad Minus geherrscht hatten. Für die ganze Reise war das segensreich. So behinderten uns Kälte und Schnee nicht. Gegen einhundert Geschwister hatten sich eingefunden. Der Chor hat erneut grosse Fortschritte gemacht und sang wunderschön. Die Feststimmung berührte die Herzen. Bei der Feier des Heiligen Abendmahls für die Entschlafenen gingen meine Gedanken fast sieben Jahre zurück. Im Auftrag von Bezirksapostel Fehlbaum hielt ich im Jahr 2017 als Bezirksapostelhelfer in dieser Gemeinde den ersten Gottesdienst für die Entschlafenen mit allen sakramentalen Handlungen. Inzwischen sind er und auch der mich damals begleitende Bischof André Kreis in der jenseitigen Welt, was sehr bewegt.
Nach dem Umziehen und einem mit viel Liebe bereiteten Imbiss heisst es schon wieder Abschied nehmen: «La revedere, multă sănătate și o călătorie sigură» (auf Wiedersehen, gute Gesundheit und eine gute Reise). Kurz nach Mitternacht war auch diese Reise zu Ende. Die Verbindung im Herzen bleibt.