Von Begegnungen und Berufungen

08.09.2024

Apostel Reto Keller feiert zum letzten Mal im Kirchenbezirk Basel einen Gottesdienst. Dazu versammelt haben sich Glaubensgeschwister aus den eingeladenen Kirchgemeinden Basel, Allschwil, Liestal und Riehen.

Der Apostel legt das Bibelwort aus 1. Samuel 16, aus 7 der Predigt zu Grunde: «Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.» Passend dazu singt der Chor als Hauptlied «Gib mir ein neues, ungeteiltes Herz.»
Gott schenkt in jedem Gottesdienst eine neue Begegnung zwischen sich und den Menschen. Er weiss, was uns beschäftigt – im Positiven wie im Negativen – und sieht in die Tiefe unseres Herzens. Trotz seiner Allwissenheit dürfen wir ihm unser Herz ausschütten. Dadurch zeigen wir auf, was uns aus unserer Perspektive wichtig ist. Ganz nach dem Zitat von Jeremias Gotthelf, «Es verliert die schwerste Bürde die Hälfte ihres Drucks, wenn man von ihr reden kann». Gott wird uns nie belächeln oder verraten. Er ist einfach die Liebe.

Das Bibelwort stammt aus der Zeit des Propheten Samuel im Alten Testament, hat aber bis heute Wirkung und Bedeutung. Damals regierte König Saul, doch er war bei Gott in Ungnade gefallen. Gott gab Samuel den Auftrag , den ausersehenen Nachfolger als künftigen König zu salben. Gott schickte dazu den Propheten nach Bethlehem in eine bestimmte Familie. Da Samuel eine wichtige und weitum bekannte Persönlichkeit seiner Zeit war, bekamen die Ältesten es zuerst mit der Angst zu tun – ob wohl seine Ankunft in ihre Stadt denn Friede zu bedeuten habe? Samuel konnte sie beschwichtigen und später auch sein Ziel – Isai und seine acht Söhne – erreichen. Beim ältesten Sohn beginnend war sich der Prophet (aufgrund ihres Aussehens) bei jedem der ersten sieben Söhne Isais sicher, dass es der von Gott ausersehene, künftige König sei. Doch Gott lässt ihn wissen, dass er weiter blickt als das, was der Mensch mit seinen Sinnen erfassen kann – Gott schaut auf das Herz. So wird schliesslich David, der jüngste Sohn, der bei den Schafen auf dem Feld ist, schliesslich nach Hause geholt und vom Propheten Samuel zum künftigen König Israels gesalbt.

Die Geschichte von Samuel und Davids Begegnung ist die einer göttlichen Berufung. Auch wir wurden berufen: Berufen zu Christen in unserer Zeit, berufen zur Herrlichkeit (nach 1. Petrus 5, 10), berufen zur ewigen Gemeinschaft mit Gott, berufen zum Dienst im Hause des Herrn, zur Nächstenliebe, zur Mitarbeit. Jedes Mal, wenn wir uns einer Berufung unwürdig fühlen, betrachtet Gott unser Herz. Er erkennt, wie man es meint.
Was ganz tief im Herz steht, ist von Bedeutung. Was sieht Gott, wenn er in dein Herz blickt? Es tut gut, Gedanken «vorauszuschicken» und Platz im Herzen für Künftiges bereitzuhalten. Beispielsweise für den nächsten Gottesdienst, für Gedanken an die ewige Herrlichkeit, für die Vorfreude auf die Zukunft.

Wer noch Grund zur Freude gesucht hätte, konnte sie an diesem Sonntagmorgen gleich mehrfach finden: Die Freude über den Apostelgottesdienst – die Freude über das Sakrament der Heiligen Versiegelung, das an ein Kleinkind gespendet werden durfte – die Freude über die anschliessende Gemeinschaft bei Kaffee und Zopf…

Bericht: vdo, Bilder: nwu