Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark
Der Bezirksapostel eröffnete die Predigt mit der Bedeutung des vom Chor vorgetragenen Liedes «Herr, mein Leben, es sei dein» und rief dazu auf, dieses Bekenntnis nicht nur persönlich, sondern auch gemeinschaftlich zu leben. Der Wechsel von «mein Leben» zu «unser Leben» verdeutlicht die Notwendigkeit des Einsseins. Der Heilige Geist will in uns etwas bewegen, dieses Einssein unter uns schaffen. Jesus drückte es in seinem Ruf aus: «Lieber Vater, lass sie eins sein».
Zu den vier Kernpunkten dessen, was Apostel Paulus im 1. Korintherbrief, Kapitel 16, im Vers 13 «Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark» schreibt, führte Bezirksapostel Deubel im Weiteren aus:
Wachet
Uns allen ist gemein, dass dieses Einssein mit Gott und untereinander ganz schnell aus den Fugen geraten kann. Da kommen Sorgen, Krankheiten, Leid. Da kommt die Frage, warum Gott denn nicht hilft? Ist da denn der richtige Weg?
Doch der Heilige Geist macht das Einssein in uns und in der Gemeinde möglich. Denn er macht uns durch sein Wirken aufmerksam: «Hey pass auf, da ist einer, der an deinem Glauben kratzen will». Paulus schreibt im Brief an die Korinther: «passt auf, tragt Sorge, wachet oder eben hey, passt auf».
Wenn die Straßen im Winter vereist sind, machen die Eltern ihre Kinder die mit dem Fahrad zur Schule wollen auf die Gefahr aufmerksam: «hey, pass auf, möchtest du nicht den Bus nehmen?». Wenn das in der Annahme, mir wird schon nichts passieren, sorglos ignoriert wird, kann schnell ein Unfall passieren. Du glaubst ja, du hast einen starken Glauben, deine Liebe ist groß. Pass auf, sie sollen nicht verloren gehen.
Steht im Glauben
Die zweite Gemeinsamkeit ist unser Glaube und das gemeinsame Ziel, die Wiederkunft Jesu Christi. Paulus macht auch hier aufmerksam: «steht im Glauben». Heute morgen beim Blick auf den nebeligen Attersee dachte ich an Jesus und die Jünger. Säße ich im Boot und eine Gestalt käme aus dem Nebel und riefe mich, komm! Würde ich in dieses kalte Wasser steigen? Hätten wir den festen Glauben, jetzt auszusteigen und Jesus entgegenzugehen? Oft plagen im Leben Leid und Krankheiten, manchmal es ist schwer bei der Wahrheit zu bleiben, zum Glauben zu stehen. Dann ist es wie auf dem Wasser. Jesus ruft komm, du schaffst das. Habe Mut, ich bin bei dir!
Seid mutig
Eine weitere Gemeinsamkeit: Gott ruft uns alle, ihm und dem Nächsten dienen. Mit den Gaben zu dienen, die Gott uns zur Verfügung gestellt hat, die wir von ihm erhalten haben. So hat es auch Bischof Jeram gemacht. Dazu braucht es den Mut, von welchem Paulus hier spricht. Einen Mut wie wir ihn im Alten Testament von den Kundschaftern Joshua und Kaleb kennen, die im Gegensatz zu allen anderen, aus ihrem Gottvertrauen heraus den Mut hatten, den Weg in das Gelobte Land zu schaffen. Haben auch wir den Mut, zu unserem Glauben zu stehen und Versöhnung anzustreben.
Seid stark
Eine letzte Gemeinsamkeit ist, dass wir alle nicht vollkommen sind und daher alle die Gnade Gottes brachen. Die Sünde macht schwach und trennt von Gott. «Herr, mein Leben, es sei dein. Danke, dass du mir Gnade schenkst». Die Reue über das, was uns von Gott getrennt hat, sein Wort und sein Wirken machen uns stark. Das müssen wir trainieren wie Menschen, welche jeden Tag ihre Muskeln trainieren, um stark zu sein. Dann wird unser Glaube alltagstauglich. Im gestrigen Konzert hörten wir das Lied «you've got a friend». In Jesus haben wir diesen Freund, der uns helfen will, der bei uns sein möchte, der uns liebt und dem wir alles sagen können.
Letzte Predigt als aktiver Bischof
In seinem Predigtbeitrag teilte Bischof Jeram auf seinen bevorstehenden Ruhestand und die fortwährende Berufung durch Gott ein. Mit einem Augenzwinkern erklärte er, dass er nie zuvor in den Ruhestand gegangen sei und darum nicht wisse, was ihn erwarte. Doch nun, hier im Gottesdienst, habe er erfahren, dass Gott ihn weiterhin brauche – nicht nur zuvor im aktiven Amt, sondern als Gläubigen, der aus Wasser und Geist wiedergeboren wurde.
Der Bischof knüpfte an das Bibelwort « Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark» an und betonte, dass diese Eigenschaften nicht nur für den Dienst eines Geistlichen, sondern auch für den Alltag essentiell seien. In Anspielung auf den morgendlichen Nebel über den Traunsee sprach er von der Herausforderung, in einer «nebeligen» Welt Orientierung und Glauben zu bewahren. Besonders berührend war seine Erkenntnis, dass die Liebe, die er mit Gott gelernt und gelebt habe, weiterhin sein Wegweiser sei.
Bischof Jeram endete mit einem Hinweis auf den Blumenschmuck in Form eines großen Herzens, der als Symbol für ein offenes Herz stehe, in dem jeder Platz hat. Mit dieser Botschaft unterstrich der Bischof, dass wahre Stärke im Glauben und in der Liebe liegt.
Apostel Pfützner
In seinem Predigtbeitrag wandte sich Apostel Pfützner an Bischof Jeram und die Gottesdienstteilnehmerinnen und Teilnehmer, indem er das Willkommen, mit welchem er den Bezirksapostel vor den Gottesdienst begrüßt hatte, in einen Willkommensgruß Gottes an Alle übertrug. Sich mit diesem Willkommen geborgen und in der Gegenwart Gottes zu fühlen, war eine der zentralen Botschaften.
Der Apostel betonte die Bedeutung, sich trotz eigener Schwächen, Zweifel und Ängste auf Gottes Kraft zu verlassen. Hier hob er mit bewegenden Worten das Verhalten von Bischof Jeram hervor und leitete in die Botschaft über, dass echte Stärke im Glauben nicht aus einem selbst heraus entsteht, sondern aus der Bereitschaft, sich Gottes Führung anzuvertrauen. Durch berührende persönliche Einblicke – etwa gemeinsame Gebetsmomente mit dem Bischof – illustrierte er, wie gegenseitige Unterstützung und das Teilen von Glaubenserfahrungen neue Kraft schenken können.
Der Apostel forderte die Gottesdienstteilnehmer auf, in der Schwachheit nicht zu verzagen, sondern auf die Verheißung Gottes zu vertrauen: «Meine Kraft wird in deiner Schwachheit zur Vollkommenheit». Mit diesen Worten ermutigte er die Anwesenden, voll Zuversicht und Vertrauen voranzugehen, auch wenn das Leben herausfordernd scheint. Sein Predigtbeitrag endete in einem aufrichtigen Aufruf, die Gemeinschaft mit Gott und den Nächsten aktiv zu suchen, um Glaubensstärke und Hoffnung zu erneuern.
Ruhesetzung
Nach der Feier des Heiligen Abendmahls und des Angebots für die Seelen in der Ewigkeit, am Abendmahl teilzuhaben, welches stellvertretend der Apostel und der Bischof entgegennahmen, versetzte der Bezirksapostel Bischof Jeram in den Ruhestand. Mit herzlichen Worten würdigte er dessen 38 Jahre als Amtsträger, davon achteinhalb als Bischof. Besonders hob er Bischof Jerams Gabe hervor, Seelsorge mit Liebe und Einfühlungsvermögen zu leisten, stets auf die Glaubensgeschwister zuzugehen und Jesus Christus in den Herzen groß zu machen. Seine Hingabe und Glaube würden weiterhin segensreich wirken.
Von der Jugend, welche dem Bischof bereits am Vortag im Konzert eine Holzbank, ein «Jesus-Bankerl» geschenkt hatte, wurde er mit dem Lied «My Way» als Ausdruck ihrer Zuneigung verabschiedet.
Aufzeichnung des Gottesdienstes