Eine Einladung zur gelebten Dankbarkeit

05.10.2025

Was passiert wenn wir Dankbarkeit nicht als Pflicht, sondern als Lebensstil verstehen? Was bedeutet es, im Alltag aus dem Glauben heraus dankbar zu leben – in Wort, Tat und Gesang? Einen Erntedankgottesdienst voller Impulse erlebte der Kirchenbezirk Tirol am 05.10.2025 in Innsbruck mit Apostel Matthias Pfützner.

Ein festlich geschmückter Altar und fröhliche Gesichter – der diesjährige Erntedankgottesdienst war nicht nur ein äußeres Fest, sondern auch eine Einladung, innerlich still zu werden und das eigene Herz auf Dankbarkeit auszurichten.

Im Zentrum der Predigt von Apostel Matthias Pfützner standen die Verse 16 und 17 aus dem dritten Kapitel des Kolosserbriefs. Ein Aufruf, das Wort Christi reichlich in uns wohnen zu lassen – und alles, was wir sagen und tun, im Namen Jesu zu tun und dabei Gott zu danken. Ein hoher Anspruch, aber auch ein Wegweiser für unser Leben.

Gleich zu Beginn stellte der Apostel eine schlichte Frage, die tief traf: „Hast du heute schon Danke gesagt?“
Diese Worte zogen sich wie ein roter Faden durch die Predigt. Dankbarkeit, so machte er deutlich, sei keine beiläufige Höflichkeit oder bloße Pflicht, sondern eine bewusste Haltung, eine tägliche Entscheidung – und letztlich: ein Lebensstil, der von Christus geprägt ist. In einer Welt, in der so vieles kritisiert, verglichen und bewertet wird, leuchtet echte Dankbarkeit wie ein Licht. Dabei gehe es nicht nur um die großen Wunder im Leben. Vielmehr seien es oft die kleinen, unscheinbaren Dinge, für die wir danken können: ein freundliches Wort, ein liebevoll bereitetes Essen, ein neues Erwachen am Morgen. Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, wird entdecken, wie reich Gott uns beschenkt – Tag für Tag.

Ein weiterer zentraler Gedanke: Das Wort Gottes als Quelle der Dankbarkeit. Apostel Pfützner betonte, dass es nicht genüge, eine Bibel im Regal stehen zu haben. Wer wachsen möchte im Glauben und in der Dankbarkeit, der braucht tägliche Nahrung aus der Schrift. Das Lesen – oder Hören – der Bibel schenkt Tiefe, Orientierung und eine neue Sicht auf das Leben. Denn wer Gottes Wort im Herzen trägt, wird fähig, auch andere mit Liebe und Weisheit zu ermutigen.

Und dann: der Gesang. Psalmen, Lobgesänge, geistliche Lieder – sie seien nicht nur Teil des Gottesdienstes, sondern Ausdruck einer inneren Haltung. Wer aus Dankbarkeit singt, singt nicht nur in der Kirche, sondern vielleicht auch beim Kochen, beim Autofahren, im stillen Gebet – ein Lobpreis, der das ganze Leben durchziehen darf.

Zum Schluss lenkte der Apostel den Blick auf Jesus selbst – unser großes Vorbild. Auch er begann jede Handlung mit Dank: „Vater, ich danke dir…“. In dieser Haltung sind wir eingeladen, ihm nachzufolgen. Dankbar zu leben heißt, Christus sichtbar zu machen – durch unser Tun, unsere Worte, unser Wesen.

Auch Priester Kätzler griff das Thema auf – mit einer ehrlichen Frage: Ist unser Dank manchmal nur eine Pflichtübung? Er erinnerte daran, dass ein gesagtes „Danke“ nicht immer ein gemeintes „Danke“ ist. Wahre Dankbarkeit kommt aus dem Herzen – und wächst dort, wo wir erkennen, dass alles Gute von Gott kommt. Wer sich dessen bewusst wird, beginnt, auch im Kleinen zu danken. Und wer Dankbarkeit lebt, prägt sein Umfeld: durch Authentizität, ehrliche Worte und kleine Gesten. Diakon Wimmer nahm uns mit in die Welt der Musik – genauer gesagt: in Anton Bruckners „Te Deum“. Dort ist das erste „Sanctus“ – das „Heilig“ – die leiseste Stelle im gesamten Werk. Sie drückt Ehrfurcht aus. Das zweite „Sanctus“ wird lauter – Bewunderung. Das dritte ist das lauteste – ein Ausbruch von Freude und Dankbarkeit. Diese drei Stufen spiegeln auch unsere persönliche Beziehung zu Gott wider: Ehrfurcht, dann Staunen, schließlich laute Freude. Auch wenn es im Leben schwerfällt, dankbar zu sein – gerade dann liegt in der leisen Dankbarkeit eine besondere Tiefe.

Dankbarkeit ist mehr als ein Gefühl. Sie ist eine Haltung, ein geistlicher Weg, ein sichtbares Zeichen unserer Zugehörigkeit zu Christus. Wer dankbar lebt, verändert nicht nur sich selbst – sondern auch die Welt um sich herum. Und die Einladung gilt bis heute: Hast du heute schon Danke gesagt? Noch ist es nicht zu spät.