Mein letzter Besuch in der Republica Moldova und der zweitletzte in Romania war wirklich eine Reise in die Herzen der Gemeinden und Geschwister. Es war ein emotional sehr berührendes Erleben vom ersten bis zum letzten Augenblick.
Über Wien ging es am Mittwoch nach Chişinău, der Hauptstadt der Republik Moldau.
Am Donnerstag führte die Reise 160 Kilometer in den Süden nach Burlăceni, ganz nahe an die ukrainische Grenze. Hier haben wir eine starke Gemeinde, die auch mit Amtsgaben gesegnet ist. Diese Gemeinde wird heute noch grösser durch das Sakrament der Heiligen Versiegelung, das an zwei Kindern und zwei Erwachsenen vollzogen wird. In Moldawien gilt der orthodoxe Kalender, d.h. Ostern war erst am vergangenen Sonntag. Somit ist an diesem Donnerstag auch nicht Himmelfahrtstag. Die Verbindung stellen wir trotzdem her, indem wir das Heilige Abendmahl für die Entschlafenen feiern. Der Gottesdienst wird ins Rumänische und weiter ins Russische übersetzt.
Das Kirchengrundstück ist liebevoll gepflegt und wird genutzt. Hinter unserer Kirche haben die Geschwister einen Garten angelegt, aus welchem ärmere Gemeindemitglieder Gemüse mitnehmen können. Auch wenn der Ziehbrunnen nicht mehr in Betrieb ist, erstrahlt er doch wie neu.
Den Freitagmorgen nutzen wir für einige Besprechungen. Es gibt vieles zu klären und zu entscheiden. Auch Weichen müssen gestellt werden. Vătămăneasa im Nordwesten Moldawiens ist am frühen Abend das Ziel unserer Reise. Noch schnell hinter dem Auto die Krawatte umgebunden und schon sind wir bereit. Mild scheint die Abendsonne in die Reihe unserer Geschwister. Die Gnadensonne Jesu tut das Gleiche. Wie schön, auch in diesem Bethanien dürfen wir eine neue Glaubensschwester in unserer Mitte willkommen heissen. Am Ende des Gottesdienstes erhebt sich eine 84-jährige Schwester und sagt mit Hingabe ein Gedicht über die Gnade Gottes auf. Sie unterstreicht damit den Inhalt des zuvor Erlebten. Mit viel Liebe hat eine Schwester mir als Abschiedsgeschenk ein wunderschönes Blumenbukett gesteckt. Aus gleichem Anlass wird mir der Altarschmuck überreicht.
Am Samstag haben wir erneut ein vollbepacktes Programm zu bewältigen.
Vor sieben Jahren habe ich als Bezirksapostelhelfer in der Gemeinde Orhei meinen ersten Gottesdienst in Moldawien gehalten und jetzt soll es der letzte sein. Ebenfalls eingeladen ist die Gemeinde Berezlogi. Geplant gewesen wären drei heilige Versiegelungen. Bis zum letzten Augenblick hatte die Familie gehofft, kommen zu können. Eine Krankheit hat sie abgehalten und jetzt warten sie auf den nächsten Apostelbesuch. Es sind auch etliche Geschwister abwesend, die kurzfristig für drei Monate in Deutschland Arbeit gefunden haben. Mit solchen Veränderungen müssen die Gemeinden in diesem Land leben, ist doch die ökonomische und politische Situation vor Ort schwierig. Dafür sind alle Bezirksvorsteher aus Moldawien anwesend. Die Geschwister in diesem Land sind mir ans Herz gewachsen und so fällt es nicht leicht, sich zu verabschieden.
Sechseinhalb Stunden dauert die anschliessende Reise nach Piatra Neamț (deutsch Kreuzburg an der Bistritz, wörtlich «Deutschstein») im Nordosten von Rumänien an den Ausläufern der Ostkarpaten. Wir hatten mehr Zeit eingeplant, doch die Wartezeit an der Grenze betrug erstaunlicherweise nur eine halbe Stunde. Unterwegs hatte sich auch das Wetter gewandelt: Der strahlende Sonnenschein ist dem Regen gewichen. Ich bin nicht unglücklich, lag doch viel Blütenstaub der Akazien in der Luft.
Im November 2021 war die Gemeinde gegründet worden und ist seither gewachsen und kann auch durch eigene Amtsgaben geistlich versorgt werden. Ich freue mich sehr, am Sonntag einkehren zu dürfen. Etwas über 40 Geschwister und Gäste haben sich versammelt, um das Wort Gottes zu hören, Sündenvergebung zu erhalten und Heiliges Abendmahl zu feiern. Der Vorsteher und der Priester der Gemeinde erhalten stellvertretend das Heilige Abendmahl für die Entschlafenen.
«De ce nu te întorci, chiar dacă ești la pensie» (Komm doch wieder, auch wenn du im Ruhestand bist). Mit diesen Worten werden wir nochmals fest gedrückt und verabschiedet.
Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass es an der Zeit aufzubrechen ist, wenn wir das Flugzeug im zweieinhalb Stunden entfernten Iași rechtzeitig erreichen wollen.
Erfüllt mit vielen wunderschönen Erinnerungen an die geschenkten Begegnungen heben wir Richtung Wien ab. Es gilt: « La revedere, multă sănătate, drum bun!» (Auf Wiedersehen, Gesundheit und gute Reise!)