Zum Jahresauftakt feierte unser Stammapostel Jean-Luc Schneider den Gottesdienst in St. Gallen und gab uns allen ein Motto für das ganze Jahr mit auf den Weg: Es ist Zeit, Gutes zu tun. Für weitere Informationen dazu verweise ich auf unsere Homepage www.nak.ch.
Das diesjährige Jahresmotto kann auf verschiedene Art und Weise interpretiert werden. Für die Leser auf nac.today sollte ich dazu ein Artikel verfassen. Fühlt euch frei, diesen Artikel als weiteren Impuls zu lesen (siehe weiter unten!).
Am Mittwochabend feierte ich den Gottesdienst in Immensee, Bezirk Mittelland und am Sonntag in Celje, Slowenien.
Ich wünsche euch allen ein gesegnetes Jahr 2025.
Mit lieben Grüssen
Thomas Deubel
Zum Jahresmotto vorerst eine bekannte Geschichte:
Bei einer Bäuerin in den Vereinigten Staaten klopfte es an einem Sommertag an der Tür. Ein junger Mann stand davor und bat um ein Glas Wasser. Er war auf der Durchreise, wollte in die Stadt und hatte grossen Durst. Er habe aber kein Geld, sagte er der Bauersfrau. Doch sie bat ihn herein, gab ihm ein Glas Wasser, ein Glas Milch und ein belegtes Brot. Er ass mit grossem Appetit. Als er fertig gegessen hatte, dankte er der Frau ganz herzlich für die Wohltat und verabschiedete sich.
Etliche Jahre später wurde diese Bäuerin schwer krank. Sie und ihr Mann hatten kein Geld für eine so teure Operation, doch der Eingriff liess sich nicht länger aufschieben. Das Ehepaar wusste nicht, dass der behandelnde Arzt der junge Mann von damals war, dem die Frau Speis und Trank geschenkt hatte. Aber der Arzt hatte die Frau wiedererkannt und wusste um die finanzielle Situation der beiden.
Am Entlassungstag kam der Arzt in ihr Zimmer. Diese arme Frau bekam nun doch grosse Angst, denn sie sah, dass er die Rechnung dabeihatte. Sie war arm und hatte einfach kein Geld, um die Arztrechnung zu bezahlen. Der Arzt setzte sich neben sie und erklärte ihr die Kosten, die entstanden waren. 25’000 Dollar war der Endbetrag auf der Rechnung. Die Frau fing an zu weinen und schluchzte: "Ich kann das nie bezahlen, denn ich habe kein Geld." Der Arzt beruhigte sie und bat sie, doch einmal die Rechnung genau anzuschauen. Und dann las sie den Satz am Ende der Rechnung: "Es ist alles bezahlt durch ein Glas Wasser, ein Glas Milch und ein belegtes Brot."
Die Bäuerin hatte die Not des jungen Mannes erkannt. Es braucht manchmal etwas Feingefühl, um zu erkennen, ob wirklich Bedarf besteht, in welcher Weise eine Hilfeleistung bestenfalls erfolgt oder ob eine Situation ausgenutzt wird.
Bei meiner ersten Reise nach Bulgarien im Jahre 2015 begleitete mich Bischof Jürgen Müller. In Sofia angekommen, besuchten wir einen Gemüsemarkt. Bischof Müller: «Versuche zu erkennen, wer arm ist!» In der Nähe eines Marktstandes setzten wir uns hin und beobachteten. Anfänglich erkannte ich niemanden, von dem ich hätte sagen können, dieser Mensch sei arm. Dann aber bemerkte ich eine ältere Frau in einem langen alten Mantel. Sie nahm zwei Karotten in die Hand, entschied sich schlussendlich für die kleinere und legte diese beiseite. Dasselbe machte sie mit zwei Broccoli und mit zwei Kartoffeln. Ich konnte nicht mehr anders, als hinzugehen. Aus verschiedenen Gemüsesorten habe ich ausgewählt, eine ganze Tasche gefüllt, bezahlt und dieser Frau gegeben. Eine für mich unvergessliche Erfahrung.
Zurück zur Bäuerin in der obengenannten Geschichte. Wenn sie nur an sich selbst, an ihre Familie, an ihren Hof und an all ihre Arbeit gedacht hätte, dann hätte sie den jungen Mann abgewiesen. Aber sie fühlte die Not des jungen Mannes und das machte sie auch betroffen. Vom Herrn Jesus wissen wir, dass es ihn jammerte, wenn er das Leid sah. Auch darin ist er uns Vorbild.
Nicht zuletzt nahm sich die Bäuerin Zeit, um zu helfen. Wohl fällt der Zeitfaktor in diesem Fall nicht so sehr ins Gewicht, das kann allerdings je nach Situation ganz anders sein.
Gutes tun bedeutet schenken und verzichten.
Die Bäuerin schenkte Zeit und etwas von ihren Esswaren. Der spätere Arzt verzichtete auf einen Teil seines Einkommens.
Wenn ein Mensch Gutes tut, schenkt er Aufmerksamkeit, Liebe, Zeit, Kraft oder verzichtet auf etwas, was er nicht mehr zu seinem eigenen Nutzen einsetzen kann. Insbesondere verzichtet er auf eine Gegenleistung.
Ein geflügeltes Wort lautet: «Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.» Ich ergänze gerne wie folgt: Und wenn man es tut, tut’s gut! Mehrere internationale Studien bestätigen, dass Gutes tun glücklich macht. Wie heisst es so schön in der Bibel: «Geben ist seliger als nehmen.» (Apg 20,35)