Woche 36 / 2024

08.09.2024

Neben den Besprechungen am Dienstag stand für einmal noch eine besondere Tätigkeit auf dem Programm: Beginn der Räumung des Büros in der Verwaltung und Bereitstellen für den Nachfolger.

Es fühlte sich an wie ein Gang durch die vergangenen Jahre. Manche Akten sind überholt und können grosszügig dem Schredder übergeben werden, anderes wird der künftige Bezirksapostel übernehmen. Dann gibt es noch Unterlagen, die mit Erinnerungen an besondere Momente verbunden sind. Diese finden den Weg nach Hause.    

Noch einmal mit dem Zug ins Tor zum Emmental. Unsere Kirche in Burgdorf (in berndeutsch: Burdlef) ist nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Zusammen mit den Gemeinden Burgdorf, Langnau, Wasen, Herzogenbuchsee und Huttwil feiern wir Gottesdienst. Es sind bewegende Momente, noch einmal bei den Geschwistern einkehren zu können, denen ich über Jahre als Bezirksevangelist dienen durfte. Aus den Gemeinden hat sich ein Chor gebildet, der zu unser aller Freude singt. Ein kleines Kind wird versiegelt. Ein treuer und bewährter Priester, den ich seit Jahrzehnten kenne, tut den Schritt in den Ruhestand und ein junger Bruder wird als Diakon ordiniert, ein besonderes Geschenk für die Gemeinde Burgdorf. Um mich auch von allen Geschwistern verabschieden zu können und damit keine Hetze aufkommt, habe ich den späteren Zug für die Rückreise vorgesehen. Es hat sich gelohnt!

«Prossima destinazione Napoli!» (nächstes Reiseziel: Neapel!). Zehn Minuten vor der Zeit setzt das Flugzeug auf der
Landebahn des «Aeroporto di Napoli-Capodichino» auf. Es gibt sie doch, die positiven Ausnahmen in einer fast endlosen Reihe von Verspätungen!

Der Bezirksälteste erwartet uns. Es ist bereits dunkel, als wir uns auf die etwas mehr als einstündige Fahrt nach Sant’Angelo dei Lombardi begeben. Es gibt viel zu erzählen und so vergeht die Reise wie im Flug. Bischof de Lazzari und der Bezirksvorsteher von Sardinien, Priester Juli Hidalgo, begleiten uns zusammen mit ihren Frauen als eingeladene Gäste.

Sant’Angelo dei Lombardi befindet sich in der Provinz Avellino in der Region Kampanien. Die Kleinstadt ist Sitz des Erzbistums Sant’Angelo dei Lombardi-Conza-Nusco-Bisaccia und … es gibt eine kleine, aber starke und sehr lebendige neuapostolische Gemeinde.

Am Sonntag findet hier der Gottesdienst für den ganzen Bezirk Italia-Sud statt. Die Ausdehnung dieses Bezirkes beträgt 800 Kilometer von der nördlichsten Gemeinde Nocera Umbra bis zu den Gemeinden Catanzaro Lido (Kalabrien) und Martano (Puglia). Damit die Geschwister trotz der zum Teil fünfstündigen Anreise nicht allzu früh aufstehen müssen, ist der Gottesdienstbeginn auf 11 Uhr festgesetzt worden. Auch wenn der Ort auf fast 900 Meter über Meer liegt, ist es um diese Zeit bereits 32 Grad warm.

Viel Zeit wurde eingesetzt und Aufwand betrieben, um das gemeinsame Gottesdiensterleben zu einem Fest der Freude zu machen. Die politische Gemeinde stellt uns ihren Saal «Centro di comunità» zur Verfügung, so dass die mehr als achtzig Geschwister und Gäste zählende Gemeinde Platz hat. Der Chor findet sich eine Stunde vor Gottesdienstbeginn zu einer Chorprobe ein, um erstmals gemeinsam die Lieder zu singen.

Es sind 16 Jahre her, seit ich das erste Mal, damals als Bischof, die Geschwister im Süden Italiens besuchte. Inzwischen besteht eine tiefe und feste Herzensverbindung. Es berührt mich, wenn ich in die Schar und Herzen gläubiger und treuer Gotteskinder in diesem Teil des Arbeitsbereiches schauen darf. Die Distanzen zwischen den einzelnen, zum grössten Teil kleinen Gemeinden ist sehr gross. Trotzdem ist der gegenseitige Kontakt da und ein Gemeinschaftserleben wie an diesem Sonntag stärkt das Gefühl, zusammen zu gehören. In diesem Gottesdienst dürfen wir das Heilige Abendmahl für die Entschlafenen erleben. Für den weitläufigen Bezirk kann ein Helfer und Vertreter für den Bezirksvorsteher ernannt werden.

Der Chor singt in unsere Herzen und unterstreicht das Wort Gottes. Am Ende des Gottesdienstes spielt uns die Jugend mit Gitarre, Schlagzeug und Klavier das Schlussstück.

Nach dem Gottesdienst muss niemand hungrig nach Hause fahren. Während dem Genuss von Speis und Trank entspinnt sich noch so manches berührende, aufstellende und tröstende Gespräch.

Der Abschied fällt nicht leicht, muss aber doch sein.

“Arrivederci! Ci incontreremo di nuovo. Tornate presto, anche se siete in pensione! “ (auf Wiedersehen! Wir werden uns wiedersehen. Kommt bald wieder, auch wenn ihr im Ruhestand seid).