Ein Plädoyer für mehr Einheit unter den Kirchen

21.01.2025

Der Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich zur Gebetswoche für die Einheit der Christen fand am 21. Jänner 2025 in der griechisch-orthodoxen Dreifaltigkeitskathedrale in Wien statt.

Gerade in Zeiten politischer Unruhen, sozialer Krisen oder ökologischer Bedrohungen, in denen die Welt nach Antworten sucht, seien die Christen aufgefordert, "ein starkes und geeintes Bekenntnis zu leben". Das hat der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Bischof Tiran Petrosyan, in seiner Predigt beim ÖRKÖ-Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen betont. Vor dem Hintergrund des Jubiläum 1700 Jahre Glaubensbekenntnis von Nicäa erinnerte Bischof Petrosyan an die Bedeutung dieses Bekenntnisses als Fundament alle Christen.

Unterschiedliche Traditionen, Riten und Sprachen seien Ausdruck der Vielfalt des Leibes Christi, "aber sie trennen uns nicht, wenn wir gemeinsam bekennen: 'Mein Herr und mein Gott!'", so Petrosyan. Er nahm dabei Bezug auf das Bekenntnis des Apostels Thomas, der den auferstandenen Jesus erkannte. Petrosyan: "In einer Zeit, in der selbst innerhalb der christlichen Gemeinschaft viele Fragen zur Einheit und Zusammenarbeit aufgeworfen werden, sei es durch ökumenische Spannungen oder interreligiöse Herausforderungen, ist es umso wichtiger, das zu betonen, was uns vereint: unser gemeinsamer Glaube an den lebendigen Gott."

Vor 1.700 Jahren wurde auf dem Konzil von Nicäa jenes christliche Glaubensbekenntnis in Worte gefasst, das bis heute Milliarden von Christen auf der ganzen Welt vereinen, erinnerte Petrosyan. Die Bischöfe, die sich damals im Jahr 325 in Nicäa versammelten, "wollten Klarheit schaffen in einer Zeit großer Unsicherheiten und Meinungsverschiedenheiten. Sie wollten Antworten auf die Frage: Wer ist Jesus Christus?"

Und auch heute sei die Antwort aus Nicäa ebenso aktuell wie damals: "Nicäa sagt uns, dass Jesus 'wahrer Gott vom wahren Gott' ist, eines Wesens mit dem Vater", so Petrosyan: "Es zeigt uns, dass der Glaube an Jesus Christus als Gott der Fels ist, auf dem die Kirche steht. In einer Welt, die von relativistischen und postmodernen Strömungen geprägt ist, in der die Wahrheit oft infrage gestellt wird, bleibt dieses Bekenntnis ein starkes Fundament."

Eindringlich rief der ÖRKÖ-Vorsitzende dazu auf, für die Einheit der Christen zu beten und zu arbeiten. "Denn in Christus, unserem Herrn und Gott, finden wir die Kraft, einander zu begegnen und gemeinsam voranzugehen."

Gemeinsam beteten die Gottesdienstteilnehmer das Glaubensbekenntnis von Nicäa und Konstantinopel. Die Sammlung beim Gottesdienst war für ein Hilfsprojekt des ÖRKÖ auf Haiti zweckgewidmet.

Gastgeber Erzpriester Athanasius Buk begrüßte in der Dreifaltigkeitskathedrale im Ersten Bezirk in Vertretung von Metropolit Arsenios Kardamakis den Wiener Weihbischof Franz Scharl, den syrisch-orthodoxen Chorepiskopos Emanuel Aydin, den reformierten Landessuperintendenten Thomas Hennefeld, die methodistische Pastorin Esther Handschin, den anglikanischen Kanonikus Patrick Curran, die evangelische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler, Domdekan Rudolf Prokschi, den rumänisch-orthodoxen Bischofsvikar Nicolae Dura, Pastor Walter Klimt von den Baptisten, den methodistischen Superintendenten Stefan Schröckenfuchs, den serbisch-orthodoxen Bischofsvikar Slavisa Bozic, Pfarrer Thomas Wetschka von der Altkatholischen Kirche, Diakon Lisanu Tilahun von der Äthiopisch-orthodoxen Kirche und Hirte Walter Hessler von der Neuapostolischen Kirche.

 

Fotos Mag. Pulling / ÖRKÖ